Rundbrief 6

 

Ausgabe 6  Juli 2003

 

 

Sabailaai Jaymasi!

 

Es war einmal, eine deutsche Krankenschwester die da meinte, sie müsse unbedingt in ein kleines abgelegenes Krankenhaus in Nepal gehen,... und war’d von nun an nie mehr gesehen. Nein! Auch wenn viele wahrscheinlich schon den Eindruck haben, dass ich längst irgendwo im wilden Westen des Himalaya - Landes verschollen bin, muss ich das revidieren. Mich gibt es noch, auch wenn es mal wieder ne ganze Zeit gedauert hat, bis ich dazu komme mich zu melden. Doch um ehrlich zu sein, auch wenn es sich „blöd“ anhören mag, ich fand einfach keine Zeit zum schreiben, auch wenn es immer noch weit oben auf meiner persönlichen Prioritätenliste steht.

 

Wo stecke ich wohl momentan?

Viele werden sich das vielleicht fragen und es wäre wohl eine interessante Quizfrage. Wie viele könnten es wohl beantworten??? Ich will Euch die Lösung nicht vorenthalten. Ich stecke nun seit 3 Wochen wieder, Gott sei’s getrommelt und gepfiffen, in meinem heißgeliebten Chaurjahari /Rukum. Doch das ganze ist eine etwas längere Geschichte mit vielen Hochs und Tiefs dazwischen. Um es kurz zu halten, nachdem ich hier meinen planmäßigen Rückflug von meiner ersten Zeit hier, mit Susanne (der dt. Krankenschwester) 2 mal verschoben habe, bin ich dann schweren Herzens dennoch Ende Mai nach Kathmandu zurück gekehrt ohne zu wissen, was ich auch nur am nächsten Tag tun werde. Wo wollte Gott mich wohl einsetzen? Ich sah, das große „Need“ in Chaurjahari, und dennoch hatte ich versprochen mich von Gott dorthin führen zu lassen, wo er mich haben will. Würde sich dieses mal auch meine Vorstellungen und seine decken???

 

Ich verbrachte eine Woche in Kathmandu, damit beschäftigt, von einem Meeting ins andere zu rennen, mit dem Ergebnis, das ich immer verwirrter wurde. Und dennoch taten sich dann irgendwann Türen auf und andere wurden wieder geschlossen, so dass ich schlussendlich wirklich die Gewissheit hatte, Gott will mich wieder in Rukum haben. Er würde auch dieses mal hier für mich sorgen, wenn die Situation nun auch eine ganz andere sein wird. War es doch klar, das Susanne erst 2-3 Wochen später kommen kann, und mein franz. Chefarzt ist inzwischen in Frankreich auf Heimaturlaub. Somit bin ich derzeit die einzige „Bideshi“ (Ausländerin) hier, was aber auch seine Vorteile hat und ich die Beziehungen zu den Einheimischen dafür um so mehr genießen kann.

 

Und was tue ich immer noch hier?

Immer noch lernen, staunen und von Tag zu Tag mehr dankbar sein. Ich habe hier eine ganze intensive Zeit und genieße wirklich jede einzelne Minute hier. Meine Arbeit ist nach wie vor noch so vielfältig wie ich es Euch in den anderen Rundbriefen geschrieben habe. Und selbst als Hebamme bin ich inzwischen glaub ganz brauchbar geworden. War das doch immer ein Punkt (schon in meiner Ausbildung) wo ich immer kläglich versagte,...

 

Außerdem kam ich auch plötzlich in den „Genuss„ mich um administrative Dinge zu kümmern. Liefen doch sowohl in Kathmandu wie auch hier weiterhin die Vorstellungsgespräche & Einstellungstests für unsere Hilfsschwestern, und von mir wurde kurzer Hand erwartet das ich sie leite. So bin ich hier inzwischen nicht nur Stationsleitung sondern, auch „Pflegedienstleitung“ und Member des Hospitalausschusses. Und mache meinem Visa-Titel „Teaching Nurse“ (= Lehrschwester) nun auch noch alle Ehre. Aber man wächst ja an seinen Aufgaben, und so profitiere ich auch in diesem Bereich sehr.

 

 

 

Mein „Sohn“ Dinesh...

 

In den Zeilen die ihr zwischendurch mal von Simon bekommen habt, habe ich von einem kleinen Dinesh berichtet, der durch Typhus übelste Perforationen (Löcher) in seinem Darm hatte. Wir haben so mit gelitten und nicht nur eine Träne mit ihm und seinen Eltern gemeinsam vergossen. Als die Mutter nach 3 Wochen KH-Aufenthalt nach Hause musste um nach ihren anderen Kindern zu sehen, übergab sie mir ihren Sohn und meinte, mit aller Zuversicht, dass ich mich nun wie eine Mutter um ihn kümmern soll, denn sie kann es nicht mehr,.... Ich weiß nicht ob ihr euch dieses Gefühl vorstellen könnt, doch ihr werdet erkennen wie sehr man hier in das persönliche Leben seiner Patienten mit einbezogen wird... Der kleine Dinesh durfte dann übrigens nach der 5. OP und 6 Wochen Krankenhaus nach unsäglichem leiden friedlich einschlafen. Was für ein Segen für ihn!

 

 

Die beste Medizin...

So manchesmal gelangt man hier an einen Punkt an dem man sich wirklich fragt, warum man hier immer noch so wenig helfen kann. Man realisiert, das selbst zwischen der medizinischen Versorgung in Kathmandu oder anderen kleineren Städten  Nepals und hier in Chaurjahari Welten liegen. Und es wird einem immer wieder ganz deutlich bewusst, dass so manchem Patienten an einem anderen Platz hätte geholfen werden können. Gerade habe ich auf meiner Station einen 11 jähriger Bub liegen, der eine Schädelfraktur mit Bluterguss Gehirn hat. Er ist von einem Baum gefallen. Und wieder einmal können wir nur wenig tun. Uns fehlen die nötigen Mittel dazu, und ein Transport würde er auf keinen Fall überleben. Die Mutter schaut einen Erwartungsvoll an, und man wünschte man wäre an einem anderen Platz der Erde, wo so vieles eigentlich selbstverständig ist. Doch was tun hier?


 

 

Die Eltern haben keinerlei Bildung, so werden sie auch med. Erklärungen nie verstehen. Und ich kann mit meinen wenigen Worten Nepali nun auch kein Licht in diese Dunkelheit bringen.... So tat ich mal wieder was ich so oft hier tue. Ich gab ihr und dem kleinen mit das Beste was ich habe. Liebe. Ich nahm sie in den Arm weinte mit ihr und tröstete sie, ich freute mich mit ihr als der Kleine eine Reaktion von sich gab,....

 

Tja und als ich vorhin heim lief rief sie mich noch mal kurz zurück. Eigentlich war ich schon wieder 18 Stunden im Hospital und sehnte mich nur noch nach einer kalten Dusche doch ich drehte um und kehrte zurück. Sie schaute mich strahlenden Augen an und drückte mir eine Mango in die Hand. - Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal ein schöneres und wertvolleres Dankeschön für etwas bekommen habe.

 

Und nun...

Jetzt wollt ihr bestimmt auch wissen wie’s weiter geht. Was hat sich in der Zwischenzeit herauskristallisiert??? Leider nicht all zu viel spektakulär Neues. Ich lerne hier genügsam zu sein was meine Zukunftspläne betrifft, und versuch' jeden Tag neu aus Gottes Hand zu nehmen ohne meine eigenen Ideen zu verfolgen. So kann ich euch auch immer noch nicht sagen, wenn ich definitiv in Deutschland ankommen werde und was danach folgen wird. Doch meine Pläne für Nepal sehen mal so aus:

Ich werde noch bis Ende Juli / Anfang August hier in Chaurjahari bleiben. Danach werde ich nach Kathmandu zurück kehren und mit meiner Mutter und meiner Schwester 2 Wochen Urlaub im Monsun - Regen zu machen. Darauf freue ich mich wirklich schon gigantisch und hoffe es wird auch so. Tja und danach muss die politische Situation wieder erneut abgewogen werden und mit den Organisationen diskutiert werden. Und wenn alles glatt läuft kann ich vielleicht auch Ende August / Anfang September wieder hierher zurück kehren.

 

Meine Hoffnung

 

 

Einige von Euch werden sich sicher wundern wie ich „so“ leben kann, ohne auch nur die leiseste Ahnung zu haben, was morgen kommt. Und ich gebe zu, es hat auch Zeit gebraucht, bis ich mich wirklich darauf einlassen konnte. Doch ich habe einen Vers bekommen und auf den setze ich meine Hoffnung und mein Vertrauen:

 

 

„Deshalb habt keine Angst vor der Zukunft! Es ist doch genug, wenn jeder Tag seine eigenen Lasten hat. Gott wird auch morgen für euch sorgen."

Matthäus 6, 34

 

Für mich ist diese Gewissheit genug, und so lebe ich hier nun buchstäblich „munter in den Tag hinein“.

 

Meine Gebetsanliegen

Danke, für:

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Gottes Führung jeden Tag neu in meinem Leben

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die Arbeit im Hospital in Chaurjahari & die Gemeinschaft der wenigen Christen hier

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die gesegnete Zeit hier, und der intensive Kontakt zu meinen Patienten

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für die Möglichkeit, die wir hier haben, durch das Hospital ein lebendiges Zeugnis zu sein

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jeden einzelnen, der mich auf irgendeiner Weise hier, sei es durchs Gebet, finanziell, durch Briefe, mails, Pakete oder sonst wie unterstützt.

 

Bitte, für:

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die Christen und ihre Gemeinschaft hier. insb. auch die Kinder & Jugendlichen hier

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Weisheit & Liebe für meine vielfältigen Aufgaben hier im Umgang mit den Patienten aber auch dem Personal

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viel Geduld, Feingefühl bei den immer wieder neuen kulturellen „Verschiedenheiten“

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meine persönliche Zukunft. Was will Gott von mir nach der Zeit in Nepal?

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weiterhin die politische Situation zwischen Regierung und Maoisten im ganzen Land! Es fängt langsam wieder an zu kriseln,... Maoisten-Führer sind wieder untergetaucht, und es wird spekuliert das nur noch das Ende des Monsuns abgewartet wird,...

 

Danke

Für alles „An-mich-denken“, jeden Brief / Paket / Email / Spende und jedes Gebet. Leider hat der Postweg (inkl. Email) hier nach Chaurjahari nur spärlich funktioniert und vieles blieb unterwegs wohl auf der Strecke. Ich hoffe ich kann in Kathmandu wieder einiges ausfindig machen und werde mich dann wieder persönlich bei Euch melden.

 

Gottes Segen!

Textfeld: Silke

 

Pheri betaunla

 

          (Bis zum nächsten Mal)

 

 

 

 

 

Kleingedrucktes:

Unterstützung:

 

 

Es tut immer wieder gut Post zu bekommen – sei es ein mail oder ein „richtiger“ Brief. Das ist immer ein kleines Highlight in meinem Alltag hier, und ein kleiner Lichtblick für mich Heimwehtante. (Adresse rechts oben im Eck!) Außerdem bin ich auf eure Gebete angewiesen. Wir haben einen Gott, der nicht an räumliche Grenzen gebunden ist, sondern der Gebete erhört! Wer meinen Nepalaufenthalt finanziell unterstützen möchte, darf dies gerne tun. Hierfür jetzt schon herzlichen Dank und ein ernst gemeintes „Vergelt’s Gott!“

 

Spendenkonto:

Kontoinhaber: Co - Workers International; Konto-Nr. 100 415 600 BLZ: 600 606 06, bei der EKK Stuttgart.

Verwendungszweck: Silke Söffner & eure vollständige Adresse

CWI möchte den Eingang der Spenden gerne bestätigen (stellen auch Spendenbescheinigungen aus), aber die Banken übermitteln nur den Verwendungszweck und nicht mehr den Einzahler. Deshalb bitte auch eure Adresse vollständig im Verwendungszweck angeben. CWI bittet um Rückfragen unter 0711/2106627 (Frau Wedde), wenn ihr innerhalb von 8 Wochen keinen Dank erhalten habt.

Rundbriefversand:

Für Rundmail: Simon Schuh, Heinsheimer Straße 34, 74906 Bad Rappenau, Tel:07264 / 206212; Email: SimonSchuh@t-online.de

Für Rundbrief: Maren Kümmerle, Sonnenberghöfe 2, 74193 Stetten a.H., Tel: 07138 / 6142

Bei Fragen, Adressänderungen, etc. wendet euch bitte an sie.

Kontaktadresse meiner Eltern in Deutschland: Helga & Eugen Söffner, Panoramaweg 3, 74193 Niederhofen, Tel: 07138 / 6138

 

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Stand: 26.12.06