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Ausgabe 5 Mai 2003 |
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Grüss Gott & Hallole!
Heute mal wieder ein schwäbischer Gruß aus der Nepals Hinterland. Ihr seht, auch nach mehr als 6 Monaten in der Ferne, hab ich meine Heimat nicht vergessen. Und meine europäischen Kollegen schmunzeln so manchesmal über meinen „schwäbischen Patriotismus“. Doch somit leiden wir wenigstens nicht an mangelndem Lachmuskeltraining. Der einzige Nachteil daran ist wohl, dass man mit Gedanken an „Leberwurschd, Metzelsupp’, Besenwirtschaft & a guats Troepfle Wein etc,...“ erst merkt, was einem hier so an Gaumenfreuden fehlt.
Chaurjahari...
...ist nun schon seit mehr als 5 Wochen mein neues Domizil und ich komme mir vor, wie wenn ich hier nun schon ewig wäre. Ich geniesse die Zeit hier sehr und weiss auch gar nicht wirklich wo ich anfangen soll zu erzählen.
Der Anfang hier war buchstäblich hart aber herzlich. Als unser kleiner Wiesenhopser auf einem alten Feld neben einem zerbombten Gebäude (ehemals das Flughafengebäude) etwas unsanft landete, strömten neben einer Hitze von über 40°C auch noch viele, viele liebe Nepalis mit Blumenkränzen zur Begrüßung auf uns ein. Die Hitze dauerte auch die nächsten 1 ½ Wochen an und die Blumen waren schnell verwelkt. Und auch ich hatte Mühe nicht den Kopf hängen zu lassen. Doch wieder erfuhr ich Gottes Hilfe auch in kleinen Dingen und inzwischen ist es hier für diese Jahreszeit unerwartet kühl (ca 35°C), es gibt jede Woche mal ’nen kurzen Regenschauer und mir geht’s bedeutend besser.
LRHS...
Was ist denn das??? Schon wieder ne neue Krankheit oder was? Nein. LRHS steht für „Living River Health Services“ und ist der Name unseres kleinen Spitals hier, das seinem Namen („Lebendiger Fluss“) wirklich alle Ehre macht. Und ich kann darüber wieder mal nur dankbar staunen. Das kleine Hospital liegt direkt an einer steilen Klippe unter der ein traumhaft schöner Fluss sich seinen Weg gebahnt hat. (Er bietet die perfekte Abkühlung auch wenn ich hier nur im Punjabi baden darf). Aber auch im Hospital selbst versuchen ein paar wackere Christen den lebendigen Fluss der Liebe Gottes immer mehr erfahrbar zu machen. Und man spürt wie sehr der Segen unseres Herrn darauf liegt.
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Das Spital hat ungefähr die Hälfte an Personal wie in Besisahar, doch wesentlich mehr Patienten. Allerdings ist das Personal hier, weit hinter dem in Besisahar, was das Wissen und die Fähigkeiten angeht. So muss man sich täglich viele Male wundern was ein menschlicher Körper so alles aushalten kann und wo auch Gott seine schützende Hand darüber legt.
Doch es muss natürlich auch gesagt werden, dass hier, auf Grund der Abgeschiedenheit, vieles einfach auch aus technischen Gründen nicht besser möglich ist. Und unser deutscher Medizinstudent, der 3 Wochen hier war, musste einiges feststellen. 1. Wer nicht flexibel ist, lernt es hier ganz schnell. 2. Glaube an die Sterilisation (auch wenn sie auf einem höchst zweifelhaften Weg stattgefunden hat), sonst verzweifelst Du. 3. Man hat nicht wirklich eine Chance gegen all die tausende Fliegen, auch wenn sie sich auf deine OP-Wunde und deinen Instrumententisch setzen. 4. Lerne sparsam & genügsam zu sein, man weiß nie wann Materialnachschub aus Kathmandu kommt (inzwischen warten wir schon seit 5 Wochen,.....) 5. Es ist erstaunlich was alles als „Einmalmaterial“ deklariert ist und wieder sterilisiert & benutzt werden kann.
Was tu ich nun hier...?
Täglich lernen und staunen! Wieder einmal habe ich mich die ersten Wochen als „Universalkraft“ zur Verfügung gestellt und war sowohl im OP als Anästhesistin, Assistentin („2.Doktor“), als auch im Emergency Room und der Station zu finden. Da unsere Station leider überhaupt nicht organisiert war und unsere ANM’s (Hilfsschwestern) leider herzlich wenig Ahnung von Patientenbetreuung haben, habe ich nun eine Patientenkurve (Dokumentationssystem) entworfen und mache nun mit unseren ANM’s gerade einen Intensiv Crash-Kurs in Learning by doing. Dies gestaltet sich als sehr schwierig (besonders auch mit meinem ungenügenden Nepali, doch ich hoffe weiterhin das Beste.
Ansonsten ist die ganze Arbeit hier mühsam und so manchesmal auch frustran. Alleine in unserem District sind mehr als 60 % der Kinder Schwerst-Unterernährt. Dazu kommt das 80 % der Patienten erst in aller letzter Sekunde zu uns kommen (Nach dem sie unzählige Male beim Dharmijakri „Wunderheiler“ waren) und erwarten dann von uns die große „Wunderspritze“ die sie sofort gesund macht. Doch leider können wir ihnen die eben nicht bieten. Im Gegenteil leider viel zu oft können wir nur noch beim sterben zu stehen und begreifen wie machtlos wir sind.
Alleine in den letzten beiden Tagen sind uns 3 Säuglinge buchstäblich in den Händen gestorben, und gerade im Moment kam Susanne (die andere Krankenschwester) herein und erzählte mir, dass sie soeben einen Dritten reanimiert hat und es noch nicht klar ist, ob er die restliche Nacht überstehen wird. (Anmerkung beim Korrekturlesen: Der Kleine ist noch in der selben Nacht verstorben.)
Und in solchen Zeiten flehe ich dann mit den Worten des Psalmbeter (90, 12) zu Gott:
„Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden!“
Meine Tierliebe...?
ist auch weiterhin eigentlich vorhanden, zumindest so lange es sich nicht um Spinnen, Insekten, und ähnliches Getiere handelt. Somit steht fest, ich habe meine Tierliebe noch nicht wirklich ausgebaut. Mein derzeitiger Lieblings-Luxusartikel, der sogar mit unters Moskitonetz darf, ist mein Insektenspray. Auch wenn ich Deutschland so etwas nie benutzt habe, freue ich mich nun doppelt an der Erfindung dieses Giftes.
Doch ist es auch ein Wunder, wenn Spinnen (die größer wie die eigene Hand sind) mit einem das Bett teilen wollen, man morgens plötzlich einen tierischen Gefährten namens Skorpion mit unter der Dusche hat oder in seinem Dhaalbaat (Linsen, Reis und Gemüse) eine Kakerlake vorfindet. Apropos, habt ihr schon mal „Ofenschlupfer“ mit Termiten gegessen? Soll ja sehr Proteinhaltig sein,.... Gab’s gestern Abend. :-) (Und nur damit ihr wisst, wie wichtig mir dieser Rundbrief ist. – Er hat mich nicht weniger als 27 Moskitostiche gekostet! (-: )
Zukunftspläne...?
Viele mails haben mich mit der Frage nach meinen Zukunftsplänen erreicht; und ich muss sagen, es ist alles noch unklar. Nach wie vor ist nicht sicher, wann ich Rukum wieder verlassen muss. Evtl. schon Anfang / Mitte Juni. Ja, und auch was danach und nach der Zeit in Nepal auf Gottes Wegeplan für mich steht, weiß ich noch nicht. Doch ich bin sicher. er wird mich auch weiterhin sicher leiten. Wie wichtig wird mir da mal wieder ein Spruch von meiner Aussendung: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes,....“ (Mt 6, 33)
Meine Gebetsanliegen
Danke, für:
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die Arbeit im Hospital in Chaurjahari | |
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die Gemeinschaft der wenigen Christen in Chaurjahari | |
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die sichere Reise hierher | |
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für die Möglichkeit, die wir hier haben, durch das Hospital ein lebendiges Zeugnis zu sein | |
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jeden einzelnen, der mich auf irgendeiner Weise hier, sei es durchs Gebet, finanziell, durch Briefe, mails, Pakete oder sonst wie unterstützt. |
Bitte, für:
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die Christen und ihre Gemeinschaft hier. Insb. auch die Kinder & Jugendlichen hier | |
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viel Geduld, Weisheit & Feingefühl bei den immer wieder neuen kulturellen „Verschiedenheiten“ und dem Umgang damit. | |
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das Arbeiten & die Neuerungen auf der Station | |
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meine persönliche Zukunft. Was will Gott von mir nach der Zeit in Nepal? | |
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weiterhin die politische Situation zwischen Regierung und Maoisten im ganzen Land! |
Heute möchte ich mit einem schönen Spruch schließen und wünsche Euch weiterhin Gottes Liebe spürbar in Eurem Leben.
„Alles in Gottes Hand legen,
alles in Gottes Hand lassen,
alles aus Gottes Hand nehmen.“
Viele lieben Dank für alles An-mich-denken, jeden Brief /Email / Paket / Spende und jedes Gebet.
Gottes Segen!

Pheri betaunla
(Bis zum nächsten Mal)
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Kleingedrucktes:
Unterstützung:
Es tut immer wieder gut Post zu bekommen – sei es ein mail oder ein „richtiger“ Brief. Das ist immer ein kleines Highlight in meinem Alltag hier, und ein kleiner Lichtblick für mich Heimwehtante. (Adresse rechts oben im Eck!) Außerdem bin ich auf eure Gebete angewiesen. Wir haben einen Gott, der nicht an räumliche Grenzen gebunden ist, sondern der Gebete erhört! Wer meinen Nepalaufenthalt finanziell unterstützen möchte, darf dies gerne tun. Hierfür jetzt schon herzlichen Dank und ein ernst gemeintes „Vergelt’s Gott!“
Spendenkonto:
Kontoinhaber: Co - Workers International; Konto-Nr. 100 415 600 BLZ: 600 606 06, bei der EKK Stuttgart.
Verwendungszweck: Silke Söffner & eure vollständige Adresse
CWI möchte den Eingang der Spenden gerne bestätigen (stellen auch Spendenbescheinigungen aus), aber die Banken übermitteln nur den Verwendungszweck und nicht mehr den Einzahler. Deshalb bitte auch eure Adresse vollständig im Verwendungszweck angeben. CWI bittet um Rückfragen unter 0711/2106627 (Frau Wedde), wenn ihr innerhalb von 8 Wochen keinen Dank erhalten habt.
Rundbriefversand:
Für Rundmail: Simon Schuh, Heinsheimer Straße 34, 74906 Bad Rappenau, Tel:07264 / 206212; Email: SimonSchuh@t-online.de
Für Rundbrief: Maren Kümmerle, Sonnenberghöfe 2, 74193 Stetten a.H., Tel: 07138 / 6142
Bei Fragen, Adressänderungen, etc. wendet euch bitte an sie.
Kontaktadresse meiner Eltern in Deutschland: Helga & Eugen Söffner, Panoramaweg 3, 74193 Niederhofen, Tel: 07138 / 6138
Stand: 26.12.06