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... vom 14. November 2003

Ein Abenteuer zwischen Büffelmilch und Baracken

Von Klaus Thomas Heck

Eine Flagge, eine grüne Tracht und ein Skorpionbiss. Drei Andenken hat Silke Söffner (24) von ihrem größten Abenteuer mitgebracht. Die Krankenschwester aus Niederhofen war elfeinhalb Monate als Missionarin in Nepal.

Ihre erste Station im November 2002 ist Kathmandu, die Hauptstadt des Himalaya - Königreichs. Rundum strahlend weiße Wolken, nur über der 600 000-Einwohner-Metropole sind sie grau. Smog. "Eine der dreckigsten Städte der Welt", sagt die junge Missionarin.

"Da freut man sich richtig aufs Land." Silke absolviert einen Sechs-Wochen-Schnellkurs in Nepali, der Landessprache, dann geht's weiter nach Besisahar. Elf Stunden dauert die Busfahrt. Wer unterwegs zusteigt, muss auf dem Wagendach Platz nehmen. Besisahar liegt am Rande des Annapurna - Gebietes. Ein Städtchen von der Größe Schwaigerns. Ländlich, hügelig, abgelegen. "Ein super Urlaubsgebiet", meint Silke.

"Aber da liegt der Hund begraben." Zwei Hotels, ein paar Garagen-Teestuben. Mehr Ausgeh-Tipps gibt es nicht. Die Frauen laufen mit Dokos umher. Bastkörben, mit denen sie schwere Lasten auf dem Kopf tragen. Kuhmist zum Beispiel, der auf den Feldern verteilt wird. Fünf Monate arbeitet Silke im Distriktkrankenhaus. Infektions-, Entbindungs- und Intensivstation, Chirurgie, Gynäkologie: Im Hospital von Besisahar gehört alles zusammen.

Die Niederhofenerin hilft als Anästhesistin und Assistentin. Instrumentierschwestern gibt es nicht. Da greifen die Ärzte - ein Franzose, ein Schweizer, zwei Nepali, eine Holländerin - selbst zum Besteck. Idealisten sind alle: Weil sich nur wenige der täglich 120 Patienten die Behandlung leisten können, geschieht viel aus Wohltätigkeit. Als Missionarin darf sich Silke, die für das Deutsche Hilfswerk für Missionskrankenhäuser und die Stuttgarter Co-Workers unterwegs ist, nur sehr vorsichtig betätigen. Im Leintal gehört sie zum Jugendverband "Entschieden für Christus".

In Nepal ist ihre Religion verboten. April 2003 zieht die junge Krankenschwester nach Chaurjahari. 50 Einwohner hat das Dorf, die Hauptstraße ist ein kleiner Feldweg. Wald, Häuserbarracken, karge Felder. Ein paar Farmer treiben Handel mit Tibet. Wer kein Land hat, will weg. Der Flughafen-Tower ist eine ausgebombte Ruine, die Landebahn ein Rasen mit Kuhmist.

Eine Hand voll Polizisten patrouilliert auf dem Gelände - mit Gewehren aus dem ersten Weltkrieg, als die Briten noch Verbündete der Bergregion waren. Lebensmittel gibt es kaum. Die Frauen holen Trinkwasser aus dem Bheri River. Doch weil der Fluss aus dem Tibet kommt und dort Tote oft im Gewässer bestattet werden, ähnelt er einer Kloake. Silke bringt kistenweise Nahrungsvorräte mit.

Im Krankenhaus von Chaurjahari trifft sie auf die Problemfälle einer rückständigen Gegend. Tuberkulose-Kranke und Unterernährte, die drei Tage per Fußmarsch zum Hospital wandern. Oder der dreijährige Bahkta, der bei seiner Einlieferung gerade mal 1500 Gramm wiegt. "Um den haben wir schwer gekämpft", sagt Silke.

Halbstündlich, auch nachts, wird der Steppke mit Sonden ernährt. Es gibt Jugendliche mit gebrochenen Armen und Kopfverletzungen, weil sie auf der Suche nach Früchten von Bäumen gestürzt sind. Von Juli bis September, während der Regenzeit, nimmt der Typhus zu.72-Stunden-Schichten sind für Silke Alltag.

Zwischendurch ein paar Happen Dhaalbhat, das Nationalgericht mit Reis, Linsen, Gemüse. Das isst sie drei Mal täglich, 21 Mal pro Woche. Dazu Chhiya - Büffelmilch mit Schwarztee. Ihr schönstes Erlebnis hat Silke nach drei Tagen Dauerdienst. Da schenkt ihr eine Mutter als Dankeschön eine Mango. "Diese Herzlichkeit vermisse ich in Deutschland. In Chaurjahari gehörten wir zu jeder Familie irgendwie dazu." Seit zwei Wochen ist sie wieder in Schwaigern.

Was hat sie als Erstes gemacht? "Schwäbisch gefrühstückt mit Brezeln und Kaffee. Und richtig geduscht." Ob die 24-Jährige ihre frühere Arbeitsstelle im Heilbronner Gesundbrunnen zurück erhält, ist unklar. "Trotzdem würde ich das jederzeit wieder machen." Ihr nächstes Urlaubsziel steht dagegen schon fest: Nepal.

14.11.2003

 

 

 

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Stand: 03.01.08